Hörspiel-Blog

Rezension: Das Labyrinth des Fauns

Was verbindet die Bestseller-Autorin Cornelia Funke und den oscarprämierten Regisseur Guillermo del Toro? Das Buch „Das Labyrinth des Fauns“! Jetzt auch als inszenierte Lesung in einer Hörbuch-Fassung. Aber nicht nur das, es wurde auch aufwendig mit 3D-Sound produziert. Aber ist es auch wirklich ein Mehrwert für die Geschichte?

 

Ofelias Reise in eine magische Traumwelt

Spanien, 1944. Die junge Ofelia reist mit ihrer hochschwangeren Mutter in die Wälder Nordspaniens zu ihrem neuen Stiefvater, Capitán Vidal. Vidal ist ein bösartiger und grausamer Faschist, der in den Wäldern Widerstandskämpfer jagt. Für seine neue Familie scheint er aber nur wenig übrig zu haben. Der ungeborene Sohn jedoch, Ofelias Bruder, spielt für ihn eine wichtige Rolle.

Ofelia flüchtet sich vermehrt, aus Angst vor ihrem Stiefvater, in eine Traumwelt. Sie liebt ihre Bücher und die Geschichten und Märchen von fantastischen Wesen und Welten. Dann bekommt sie Besuch von einem Feenwesen, das sie tief in den Wald lockt. Was Ofelia jedoch nicht weiß ist, dass das Feenweisen fest daran glaubt, dass Ofelia die einst verschwundene Prinzessin Moanna ist. Moanna war vor hundert Jahren aus dem unterirdischen Königreich in die irdische Welt übergetreten. Dabei vergaß sie irgendwann, wer sie wirklich war. Ihr Vater schickte in seiner Verzweiflung andere magische Wesen, um nach ihr zu suchen. Darunter auch der mysteriöse Faun. Dieser entsandte jenes Feenwesen, das Ofelia in den Wald lockte. Um herauszufinden, ob das Mädchen auch wirklich die verschwundene Prinzessin sei, erteilte er Ofelia drei Aufgaben. Und das fantastische Abenteuer beginnt.

 

CD und Verpackung

Das 3D-Hörbuch kommt als Digipack und einer MP3-CD. Die 58 Tracks sind mit 192 kbit/s komprimiert. Eine gängige Datenrate bei Hörbüchern. Für mich immer noch ein Kompromiss. Die Lesung geht knapp über 7 Stunden. Das Cover ist mit Illustrationen und versilberter Schrift verziert, die sich glanzvoll vor dem türkisenen Hintergrund absetzt. Im 6-seitigen Innenteil bekommen wir weitere wundervolle Schwarz-Weiß-Illustrationen mit Szenerien aus dem Buch zu sehen. Die CD selbst steckt in einem halboffenen Schlitz. Ein zusätzliches Booklet gibt es nicht. Der Druck ist sehr gut und mit der silberverzierten Schrift insgesamt ein echter Hingucker. Auf den Außenseiten befinden sich noch eine kleine Widmung der Autorin sowie ein Foto der beiden Erfinder des Labyrinths, Cornelia Funke und Guillermo del Toro.

 

Erzähler-Duo: Tom Vogt und Cornelia Funke

Für das Hörbuch, in Form der inszenierten Lesung, wurde Tom Vogt engagiert. Den Synchro-Fans dürfte er als deutsche Stimme von Laurence Fishburne oder Mark Strong bekannt sein. Tom Vogt führt den Hörer mit seiner angenehmen sonoren Stimme und einer ruhigen Performance durch das Abenteuer. Die Sprache des Buches würde ich als kindgerecht, sehr bildlastig aber schnörkellos bezeichnen. Durch seinen Erzählstil, ohne übertriebenes Schauspiel, macht er es dem Hörer sehr leicht, der Geschichte zu folgen und lässt einen tief ins Abenteuer eintauchen.

Auch die Autorin, Cornelia Funke, wurde als Sprecherin verpflichtet. Sie übernimmt kleine Parts, die eine Art Trenner der einzelnen Kapitel sind. Mit Tom Vogt hat sie freilich einen starken „Konkurrenten“. Davon lässt sich die Tintenherz-Autorin in keiner Weise abschrecken. In einem ebenfalls ruhigen Erzählstil lässt sie uns an der Geschichte teilhaben. Ich war kurzeitig überrascht, wie gut ihr das gelingt. Sie versteht es, wundersame Dinge mit einfachen Worten auszudrücken. Eine hohe Kunst.

REZENSION: VATERLIEBE

Es beginnt alles ganz harmlos mit einer Firmenfeier, auf der Scott Gibson mit seiner Frau seinen Erfolg feiert. Die Kinder werden zuhause von Babysitterin Jana gehütet. Dann nimmt die ausgelassene Feier doch ein schnelles Ende. Scott wacht in einer Lagerhalle auf und ist gefesselt und allein. Vor ihm auf dem Tisch steht ein alter Kassettenrecorder. Eine gruselige Stimme teilt Scott mit, dass er auserwählt wurde, um an den Prüfungen teilzunehmen.

Rezension lesen

Was taugt der 3D-Sound?

Als mir das Hörbuch zur Rezension angeboten wurde, was mich unglaublich gefreut hat, hatte man mir auch den Tipp gegeben, unbedingt mit Kopfhörern zu hören. So kommt die ganze Klangentfaltung erst richtig zur Geltung. An dieser Stelle möchte ich kurz einhaken und generell etwas zum 3D-Sound und Kopfhörern sagen. Der 3D-Sound entsteht im Kopf genauso wie der klassische Stereo-Sound. Stellt Euch einfach ein kleines Feld um euren Kopf herum vor. Durch das „Panning“, also der Aussteuerung vom linken und rechten Kanal des Sounds, werden Geräusche mobil und wandern von links nach rechts. So bekommt man ein räumliches Empfinden. Durch den 3D-Effekt soll der Raum mehr Tiefe bekommen, also entwickelt sich auch nach vorne und nach hinten. Ihr kennt das aus neuen Kino-Produktion, wo beispielsweise der Wind von hinten oder seitlich über euch hinwegfegt. Bei Kopfhörern ist dieser Effekt nicht ganz so stark ausgeprägt. Logisch, der Raum ist physisch durch den Kopfhörer begrenzt und unsere Wahrnehmung ist gefragt. Unser Gehirn suggeriert uns einen Raum und lässt Geräusche um uns herum entstehen.

Bei den Kopfhörern ist es erst einmal egal, ob es sich um einen 3D-Kopfhörer handelt oder einen einfachen Stereo-Kopfhörer. Hier darf man selbstredend anderer Meinung sein, schließlich habe ich nicht alle Kopfhörer dieser Welt ausprobiert. Da wir aber nur zwei Ohren besitzen und demnach auch nur der Kopfhörer über 2 Kanäle verfügt, sollte es also in Stereo funktionieren. Vielleicht werde ich dazu noch einen kleinen Test in Form eines Videos machen. Ist auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema.

Aber was ist denn nun mit dem 3D-Sound im Hörbuch? Der Raumklang im Hörbuch war nicht ganz so „krass“ wie ich es vermutet habe. Nach den ersten Minuten stellte sich Ernüchterung ein. Vorläufig. Mit dem Voranschreiten der Geschichte kommt aber auch „im Kopf“ langsam die Raumentfaltung an. Leise Geräusche im Hintergrund, das zierliche Flügelflattern der Feen, kleine tapsige Schritte die langsam um einen herumschleichen, düstere Klänge aus dem Wald. Das Kopfkino beginnt zu arbeiten und der Raum vor dem geistigen Auge vergrößert sich. Das Gespür für Geräusche schärft sich. Die Bilder im Kopf, beginnen zu wachsen. Als ich auf die Uhr geschaut habe, waren die ersten 1,5 Stunden schon um…

 

Mein Fazit für den Faun

Die Autorin Cornelia Funke hat zusammen mit Guillermo del Toro eine wirklich unglaublich schöne und fantastische Geschichte geschrieben, die mit der großartigen Stimme von Tom Vogt optimiert und abgerundet wurde. Es ist keine reine Kindergeschichte, da es auch durchaus einmal zur Sache gehen kann, da Stiefvater Vidal vor nichts zurückschreckt. Die anderen Charaktere, wie zB das Dienstmädchen Mercedes, das heimlich die Rebellen mit Informationen versorgt, holen den Hörer immer wieder in die Realität zurück. Gut ausgearbeitet reichern sie die Story an und ergänzen die Welt des Fauns. Die Soundkulisse und Hintergrundgeräusche werden sehr gut von den 3D-Effekten getragen und sind dem Stereo-Hören einen großen Schritt voraus. Die Atmosphäre ist dezent, jedoch passend und mit der Handlung gut abgestimmt. Wo man sich ein Geräusch erhofft, kommt auch ein Geräusch.

Es hat sehr großen Spaß gemacht, Ofelia auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Für den Start habe ich einen Moment gebraucht, mich auf die neue Art des Hörens einzustellen. Zu groß war die Erwartung eines 3D-Erlebnisses. Im Vergleich ohne Kopfhörer ist der Unterschied aber hörbar und man vermisst sofort etwas. Mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, dieses inszenierte Hörbuch nicht zu empfehlen. Volle Punktzahl (wenn ich sowas hätte) für das Labyrinth des Fauns.

 

Link zum Hörbuch:

Atmende Bücher Gmbh – Das Labyrinth des Fauns

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