Hörspiel-Blog

Die Kinder der toten Stadt Musikdrama

Ich wurde vor einer kleinen Weile gefragt, ob ich nicht eine Rezension über DIE KINDER DER TOTEN STADT schreiben möchte. Warum nicht. Aber was erwartet mich bei diesem Musikdrama? Und was ist überhaupt ein Musikdrama? Zählt es noch als Hörspiel oder ist es mehr?

 

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Das Original Cover zum Musikdrama

Damals in Theresienstadt

Doch zunächst einmal etwas zu der Story und Historie. Bei den Kindern der toten Stadt geht es um 7 Kinder in Theresienstadt während des NS-Regimes. Man erlebt den Alltag der Kinder in dem KZ, was sie bewegt, was sie erleben und was sie hoffen. Der Release-Termin wurde auf den 23. Juni gelegt. Der Termin wurde bewusst gewählt, denn ganau vor 74 Jahren am 23. Juni 1944 besuchte eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes Theresienstadt, um sich davon zu überzeugen, dass es allen Insassen „gut“ gehe. Es wurde sogar eine kleine Oper aufgeführt, bei denen die Kinder gezwungen wurden, die Rollen zu übernehmen. Ein Film-Team sollte die Oper dokumentarisch für einen Propagandafilm festhalten. Heute wissen wir, das alle Schauspieler dieser Oper und das Film-Team anschließend in Ausschwitz ermordet wurden.

 

Mein erster Eindruck des Musikdramas

Es ist nicht leicht, alles in nur wenige Worte zu fassen. Die Geschichte beinhaltet ein sensibles Thema mit historischem Hintergrund. Keine Fiktion, sondern bitterer Realität. Daher ist das „Hören“ auch nicht leicht gefallen. Das gut 2 stündige Drama ist nicht im klassischen Hörspiel-Aufbau, sondern in einem Zusammenspiel aus kleinen Hörspiel-Dialogen und aufwendigen qualitativ hochwertigen Musikstücken, die die Geschichte poetisch weiter erzählen. Jedoch führt uns ein Erzähler mit einer tiefen rauchigen Stimme durch die Geschichte. Dieses Musikdrama ist etwas, das Zeit und Ruhe erfordert und nicht nebenbei gehört werden sollte. Musikalisch fein abgestimmt und mit unterschiedlichen Stilrichtungen kehrt man zurück in eine Zeit und einem Regime, die niemals vergessen werden sollten.

 

Das Ensemble

In den Hauptrollen sind namenhafte Künstler wiederzufinden. Iris Berben (Schirmherrin des Projekts und Schauspielerin), Peter Heppner (Sänger von Wolfsheim), Jade Schulz („The Voice of Germany“, „Rising Star“), Michael Schulte (Gewinner des ESC-Vorentscheids, Album „The Arising“), Esther Bejarano (Musikerin, Überlebende von Auschwitz), Willi Hagemeier (Schauspieler u.a. seit 1988 Westf. Kammerspiele), Cornelia Schönwald (Schauspielerin/Sprecherin, u.a. „Wilsberg“), Nicole Frolov („The Voice Kids“) und den Paderborner Domchören. Die Musik wurde von Lars Hesse komponiert. Die Geschichte und die Songtexte stammen aus der Feder von Thomas Auerswald. Die Produktionsleitung übernahm Dr. Sarah Kass.

Hier noch einmal eine detaillierte Auflistung der Sprecher-Cast:

Jade Schulz (Hannah), Michael Schulte (Albert), Peter Heppner (Der Komponist), Iris Berben (Die Frau des Komponisten), Esther Bejarano (Die Pianistin), Willi Hagemeier (Der Erzähler), Cornelia Schönwald (Die Lehrerin), Nicole Frolov (Lea), Nils Dahl (Michael), Lisa Kirchberg (Lisa), Marlene Kirchberg (Marlene), Hendrik Weßler (Benjamin), Paderborner Domchor und Chor der Mädchenkantorei (Chor der Kinder), Ben Pleininger (1. Freund), Christian Frölich (2. Freund), Christoph Brumby (3. Freund), Sarah Geburzi 1. (1. Mädchen), Lucia Geringswald (2. Mädchen), Jan Westphal (1. Junge), Gereon Hartmann (2. Junge)

 

Mein Fazit

Mein erstes Musikdrama. Ich war zu Beginn etwas skeptisch, da ich ehrlich gesagt ein Hörspiel mit lediglich etwas mehr Musikanteil erwartet habe. Vielleicht sogar eine Art Musical. Der erste Hörgang war ungewohnt, da die Dialog-Sequenzen meist die 2 Minuten nicht überschreiten und dann sofort mit Musik fortgesetzt wurden. Als es mir gelungen war, sich von dem Hörspiel-Konzept loszuketten und sich auf das Musikdrama einzulassen, machte es auch im Kopf klick. In der Musik steck die Kraft! Musik und Dialog brauchen einander. Musikalisch bietet DIE KINDER DER TOTEN STADT ein facettenreiches Spektrum mit guten und emotionalen Songs. Insgesamt hat es mir gut gefallen, wenn auch ungewohnt. In diesem Projekt wurde viel Mühe investiert und das hört man auch.

Es gebe noch Zahlreiches über die Entstehung dieses Projektes zu berichten. Alleine die Vielzahl an Musikerd die für dieses Projekt engagiert wurden oder das Produzenten-Team. Dann der Einsatz von Iris Berben als Schirmherrin des Projekts, der Initiatoren des Deutschen Instituts für Erinnerungskultur oder der Stiftung „Toleranz fördern“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Daher habe ich am Ende der Rezension alle interessanten Links für Euch zusammengestellt.

Die Bilder wurden mir zusammen mit einer Pressemitteilung zur Verfügung gestellt. Ebenso das Musikdrama in digitaler Version. Ich habe diese Rezension freiwillig und aus eigenem Interesse geschrieben.

 

Trauriger Nachtrag (26.7.2018)

Leider ereilte mich die Nachricht, das am 05.07.2018 der Erzähler Willi Hagemeier überraschend verstorben ist. Auch wenn ich seine Karriere nicht verfolgt habe, trifft es mich und stimmt mich nachdenklich. Als ich die Rezension verfasst habe, war mir seine Stimme immer gegenwärtig. Hörspiele finden im Kopf statt und die Stimmen zaubern fantastische Bilder und Geschichten hinzu. Das verbindet auf eine ganz eigene Weise. Daher war es mir ein Anliegen, Euch davob zu berichten.

 

Link-Sammlung

Die Kinder der toten Stadt Homepage

Das Ensamble

Deutsches Institut für Erinnerungskultur

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CD kaufen (Amazon-Link)

 

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