Wenn du dich wie ich mit der Audioproduktion – und speziell mit der Welt der Hörspiele – beschäftigst, weißt du: Ohne den richtigen Kopfhörer geht es eigentlich nicht. Aber die Auswahl ist riesig und oft stellt man sich die Frage, welches Modell wirklich das richtige ist und was einen guten Studiokopfhörer eigentlich ausmacht. In diesem Artikel möchte ich dir meine Erfahrungen und die wichtigsten Grundlagen mit auf den Weg geben.

Warum ich beim Abmischen auf Kopfhörer setze

Vielleicht fragst du dich, warum man überhaupt Kopfhörer im Mixing und Mastering braucht. Natürlich kannst du deine Projekte auch über Lautsprecher abmischen, das ist gar kein Problem. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem Studiokopfhörer noch viel präziser arbeiten kann.

Der Grund dafür ist simpel: Klänge werden über Kopfhörer besser aufgelöst und man nimmt sie intensiver wahr. Ich bin dadurch viel konzentrierter und höre kleine Feinheiten oder Fehler, die ich dann später bereinigen kann. Das bedeutet aber nicht, dass ich ausschließlich mit Kopfhörern arbeite. Ich finde es extrem sinnvoll, immer wieder einen Vergleich zu machen. Einmal über Kopfhörer und dann über die Stereo-Anlage. In meinem Fall also die angeschlossen Boxen an meinem Audio-Interface. So gewöhne ich mich an den Klang und kann besser beurteilen, wie das Ganze später auf einer normalen HiFi-Anlage wirkt. Um aber wirklich die feinen Nuancen herauszuarbeiten, ist ein Kopfhörer für mich unverzichtbar.

Offen, geschlossen oder halboffen? Die Bauarten kurz erklärt

Wenn wir uns die Grundlagen bei Kopfhörern anschauen, müssen wir über die drei verschiedenen Konstruktionsprinzipien sprechen. Man unterscheidet zwischen offenen, geschlossenen und halboffenen Kopfhörern.

Ein offener Kopfhörer lässt den Schall nach außen dringen. Das hat den Vorteil, dass du ein sehr räumliches und natürliches Klangbild hast. Allerdings bist du damit auch anfälliger für Geräusche von außen, weil die Abschirmung fehlt.

Das Gegenteil ist der geschlossene Kopfhörer. Er schließt dich von der Außenwelt ab, sodass du konzentriert nur das hörst, was aus den (Kopfhörer-)Muscheln kommt. Man ist quasi abgeschottet, wie in einem separaten Raum.

Als Kompromiss gibt es noch den halboffenen Kopfhörer, der beide Welten vereint. Hier dringen tiefere Frequenzen eher nach außen, während höhere Frequenzen von der Außenwelt abgeschirmt werden. Das ist oft die goldene Mitte, wenn man sich nicht zwischen den Extremen entscheiden kann.

Mein Tipp: Hier ist es wichtig, deine eigene Hör-Erfahrung zu sammeln. Probiere selber aus, was für dich am besten funktioniert.

Das Thema Impedanz: Wie viel Ohm brauchst du?

Sicher hast du bei Kopfhörern schon oft den Impedanzwert in Ohm gesehen. Technisch gesehen ist das der elektrische Widerstand. Aber warum ist das für uns in der Praxis wichtig? Ganz einfach: Je höher die Impedanz, desto mehr Spannung brauchst du, um eine gewisse Lautstärke zu erreichen.

Wenn du zum Beispiel mit einem mobilen Player in der Stadt unterwegs bist, reicht ein Kopfhörer mit 30 Ohm völlig aus. Würdest du dort einen 250-Ohm-Kopfhörer anschließen, wäre die Lautstärke deutlich leiser. Im Studio ist das meist kein Problem, da ein externes Audio-Interface genug Spannung liefert (also wie bei einem Vorverstärker), um auch hochohmige Modelle kraftvoll zu betreiben. Die Lautstärke wird sozusagen ausgeglichen.

Grundsätzlich kann man sagen: Der Impedanz-Wert sagt erst einmal nicht viel über die Qualität des Klangbildes aus. Die gesamte Konstruktion ist dafür viel entscheidender. Aber egal über welche Impedanz dein Kopfhörer verfügt, hören wirst du immer etwas! 

Studio-Kopfhörer Over-Ear mit Tragekomfort

Tragekomfort: Wenn die Session mal wieder länger dauert

Ein Punkt, der mir extrem wichtig ist, ist der Tragekomfort. Bevor du einen Kopfhörer kaufst, solltest du ihn unbedingt aufsetzen und ausprobieren. Stell dir vor, du arbeitest vielleicht vier, fünf oder sogar acht Stunden an einem Projekt – da darf nichts an den Ohren drücken.

Ich achte dabei auch auf die Hitzeentwicklung. Ein offener Kopfhörer ist hier im Vorteil, weil die Wärme nach außen entweichen kann. Bei geschlossenen Modellen wird es deutlich wärmer. Ich persönlich benutze trotzdem ein geschlossenes Modell, weil ich mich an den Sound gewöhnt habe und zwischendurch einfach kurze Pausen mache. Wichtig ist auch, dass es sich um Over-Ear-Kopfhörer handelt, bei denen das Polster das Ohr umschließt und nicht direkt darauf sitzt.

Und noch ein Tipp: Achte darauf, dass die Ohrpolster einfach austauschbar sind. Es gibt durchaus Unterschiede beim Austausch. Optimal sind „Clip-Systeme“ bei denen man leicht und schnell die Polster wechseln kann. Ob Velour-, Memory-Foam- oder Lederpolster, bleibt natürlich dir überlassen. 

Ehrlichkeit zählt: Ein neutrales Klangbild

Das Wichtigste in der Audioproduktion ist für mich ein hoch aufgelöstes und vor allem neutrales Klangbild. Ich möchte keine Kopfhörer, die den Bass künstlich aufpumpen, wie man es oft bei Lifestyle-Modellen sieht. Warum? Weil ich dann nicht mehr entscheiden kann: Ist der Bass in meiner Aufnahme so stark oder liegt es nur am Kopfhörer? Ein neutraler Klang gibt mir die volle Kontrolle über mein Sounddesign.

Viele Studiomodelle decken einen Übertragungsbereich von 5 Hz bis etwa 35 kHz ab. Das ist mehr als genug, um alle Details und Nuancen, wie etwa Echos oder Störgeräusche, sauber zu identifizieren. Ein normaler Dialog (generell Sprache) findet beispielsweise zwischen ca. 125 Hz und 8 kHz statt. Frequenzen über 20 kHz sind für Menschen zumindest nicht mehr hörbar. 

Mein persönliches Fazit

Die Frage nach dem „perfekten“ Kopfhörer musst du am Ende für dich selbst beantworten. Ich benutze zum Beispiel seit Jahren den Beyerdynamic DT 770 Pro mit 250 Ohm und bin damit vollkommen zufrieden. Er ist robust, liegt preislich oft um die 150 Euro und bietet darüber hinaus weitere DT-Modell in einem ähnlichem Preissegment.

Aber das ist eben meine Wahl – du musst herausfinden, was sich für dich nach mehreren Stunden noch gut anfühlt und welcher Klang dich bei deiner Arbeit am besten unterstützt. Ich hoffe, mit diesem Guide und meinen Tipps, kann ich dir die Entscheidung etwas leichter machen. Du weißt jetzt, worauf es ankommt. Also, alles ausprobieren!